Rundgeflochtene Hundeartikel


Mein Weg zu Rundgeflochtenen Hundeartikeln mit allen Vorteilen, Schwierigkeiten welche es auszumerzen galt usw. 


Rundflechten

 

Nachdem ich eine Anfrage für rundgeflochtene Lederbändel für einen Portmonairiemen hatte, habe ich angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen. Rundgeflochtene Lederriemen findet man im Handel für alles mögliche. Ich habe mir im Internet eine Anleitung besorgt und mit 4-Fach rundflechten begonnen. Die Anleitung bezog sich auf Paracord und ich habe schnell gemerkt, dass es mit Leder etwas schwieriger ist. Trotzdem war der Zeitaufwand mit zuschneiden nicht gerade gering und ich habe mich gefragt, warum die rundgeflochtenen Riemen, Armbänder, Hundehalsband usw., so billig sind im Handel. Hier werden geflochtene Lederschnüre, maschinell gefertigt, eingekauft, eine Lederkappe daraufgesetzt und fertig war das gute Stück. Natürlich kann ich das auch, aber irgendwie ging mir das gegen den Strich. Die Qualität ist nie dieselbe und man ist auf breiten, Farben etc. von den Herstellern angewiesen. So entschied ich mich weiter von Hand selbst zu flechten. Ich entschied mich für ein Leder, welches weich ist in der Verarbeitung, Reissfest und in sehr vielen, knallig bunten Farben erhältlich ist. Leder muss ja nicht immer Braun oder Schwarz sein. Weiter ist es Wasserabweisend und sehr pflegeleicht. Ich wollte mein Sortiment weiter ausbauen und wollte geflochtene Hundehalsbänder herstellen. Dafür war die 4-fach Flechtung zu dünn. Selbst wenn ich breitere Lederriemen nahm. Also eine andere Flechtung mit 8 Riemen. Da das 4-fach rundflechten so einfach ist, kann das 8-fache ja nicht viel schwerer sein, dachte ich…weit gefehlt. Die 8-fach Rundflechtung ist unglaublich kompliziert und ich lange geübt. Das komplizierte sind nicht die 8 Riemen, welche es zu verarbeiten gilt, das komplizierte ist, dass man nicht immer genau sieht, welcher Riemen den nun an der Reihe ist. Flechtfehler sieht man sofort. Eine Freundin half mir dabei und hat mir die einzelnen Schritte vorgelesen und mit genug Konzentration ohne Ablenkung entstand ein Zugstopphalsband für Ihre Hündin. Aber das konnte ja nicht die Lösung sein und ich glaube meine Freundin hielt mich auch für etwas doof, da sie mir immer und immer wieder dieselben 4 Schritte vorlas. Also fing ich an mir für jedes Halsband die 4 schritte vorab aufzuschreiben und daneben welche Farbe für welchen Schritt ist. So klappt das bis heute ganz gut. Ich habe ebenfalls festgestellt, dass auch wenn man geübt ist, sich schnell eine monotomie einstellt und einfacher ist, wenn man kurz nachlesen kann, bei welchem Schritt man ist. Die nächste Schwierigkeit war der Zugstopp. Beim ersten Halsband habe ich als Zugstopp einen Ring miteingeflechtet. Obwohl direkt am Hund ausgemessen und während dem Flechten probiert, passte der Zugstopp nicht optimal. Leder lebt und verändert sich meist nach Gebrauch noch etwas, ich kann kein Halsband herstellen, das den Hund in den ersten ein bis zwei Wochen würgt, oder danach viel zu locker ist. Also suchte ich bei meinen Händlern nach einem verstellbaren Zugstopp. Ich fand verschiedene Dinge und probierte diese aus. Zu dieser Zeit kam mein Hund Joki zu mir und wurde sogleich als Hundemodel und Versuchskaninchen für Hundehalsbänder angestellt. Zu seiner Geschichte mehr ein andermal. Er zerriss mir einige Halsbänder und ihm kann man keinen Vorwurf machen. Aber daraus habe ich gelernt. Ich fand einen bei einem Händler einen Stegring. Der perfekte verstellbare Zugstopp. Bis heute leider nur in Silber erhältlich. Andere Ringe mussten ebenfalls her, den die stärke der Beschläge hatte ich anfangs schlichtweg nicht bedacht. Aber das Leder hielt immer. Das war ein sehr gutes Zeichen. So entstand Joki`s erstes Halsband, welches er im Alltag immer trug. Joki ist ein Münsterländer-Mischling. Mit einem Stockmass von ca. 60cm und ca. 25 Kilo nicht ganz klein. Das Halsband mit einem Durchmesser von 1 bis 1,5cm sieht eher wie eine Halskette aus und ist in keiner Weise störend für ihn, hält ihn jedoch problemlos, auch in seiner Teenagerphase als gehorchen nicht zu seinen Stärken gehörte. Ich habe ihm auch andere Halsbänder gefertigt. Das breiteste hatte 4cm. Es sah unglaublich schick aus, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es für einen Hund bequem ist, wenn er bei jeder Bewegung mit dem Kopf sein Halsband spürt, auch wenn dies nur 2cm Nylon ist. Ich stelle es mir vor, wie wenn ich einen starren Rollkragen die ganze Zeit tragen müsste. Ein dünneres Halsband könnte jedoch einschneiden im Falle von Zug darauf. Mit diesen 1cm bis 1,5 cm hat das Halsband jedoch eine Auflagefläche, die nicht einschneidet, sehr weich und nicht so starr wie ein Nylonhalsband ist. Kommt Zug auf das Halsband, gibt es minim (vielleicht 1mm) nach. Das liegt daran, dass Leder lebt und Nylon ist nun mal fest und starr. Stellt man sich vor, der Hund springt in die Leine und hat Zug auf dem Halsband, natürlich macht das kein Hund, da wir alle die Best erzogensten Hunde haben, macht dieser 1mm den Druck auf das Halsband nicht ganz so stark, als Hundeführer merken wir jedoch keinen Unterschied.

Wie gesagt, zu dieser Zeit kam Joki zu mir und ich brauchte auf die schnelle eine Leine. Bisher hatte kein Hund bei mir gelebt und ich war überwältigt von der Fülle an Hundeartikeln, die es gibt. Ich brauchte eine Leine und mangels Zeit kaufte ich mir in eine Nylonleine. Für einen 25 Kilo Hund, war diese 2cm breit. Ich bin ein kleiner Mensch, mit kleinen Händen. Eine so breite Leine ist mir unangenehm in den Händen. Dazu sind diese Leinen relativ schwer, ich kann mir nicht vorstellen, dass dies für den Hund angenehm ist auf Dauer, ich selbst empfand es jedenfalls als störend. Also an die Arbeit und eine Leine flechten. Da eine normale Kuh, von welchen ich das Leder habe, nun keine 6 bis 8m lang ist, muss ich beim Flechten ansetzen. Erst habe ich die Stücke am Ende verleimt und darauf gebaut, dass sie durch die Flechtung halten. Hat es auch, aber ich habe der Sache nicht so ganz vertraut. In der Zwischenzeit lasse ich einen Rest stehen, und flechte die Stränge teilweise doppelt ein. Bei Gebrauch zieht sich die Flechtung fest und die überstehenden Enden können abgeschnitten werden. Da löst sich gar nichts mehr. Die Leine ist unglaublich leicht und sehr weich und angenehm in der Hand. Der Tragekomfort für den Hund sind dieselben wie bei dem Halsband. Ich bin überzeugt die beste Lösung für Hund und Hundeführer gefunden zu haben.

Anfangs machte es mir Sorgen ob die Stränge welche über die Ringe/Karabiner gelegt werden, mit der Zeit einreissen können. Nun Joki hat sein Halsband zwei Jahre fast täglich getragen und bis auf einen kleinen Riss bei einem Strang hält alles. Selbst wenn dieser kleine Riss grösser wird und irgendwann reisst, was definitiv noch einige Zeit dauern wird, wird das Halsband weiter halten, da noch 3 weitere Stränge halten. Da die Stränge zum Teil aufeinander liegen schützen sie sich gegenseitig und eine lange Lebensdauer ist sicher.

Eine weitere Schwierigkeit waren die Farben. Es gibt zuviele. Mein Händler hat 55 im Angebot, ich habe es auf 14 reduziert. Nun habe ich die Möglichkeit eine bis vier Farben einzuflechten (ich habe es mit 8 versucht, aber es sieht total chaotisch aus). Je nachdem wie ich die Stränge lege, ergibt sich ein anderes Muster. Schachbrett oder Linien. Es sind viele Möglichkeiten, sehr viele…wie verkaufe ich nun? Selbst wenn ich 50 Möglichkeiten anbiete, sind da ja noch immer sehr viele andere Möglichkeiten. Wäre ja schade wenn diese nicht auch genutzt werden. Und ein fast einmaliges Halsband ist doch viel schöner wie eines das jeder zweite Hund trägt oder? Ich habe viel Zeit investiert, um mir das Wissen anzueignen, warum also nicht weitergeben? Nun gebe ich Kurse. Die perfekte Lösung, der Kunde kann selber ausprobieren und sein Lieblingshalsband herstellen. Hier kam die nächste Schwierigkeit, durch meine Arbeit als Satter habe ich relativ starke Hände. Bei der Flechtung ist es wichtig die Stränge immer sehr fest zu ziehen. Ich selbst kann aufgrund von Kraftmangel nicht an einem Tag ein Halsband und eine Leine herstellen. Dazu kam, dass die Halsbänder sich verzogen haben. Mit einem leichten Verziehen zu Anfang kann ich leben. Das lässt sich einplanen und Leder lebt nun mal. An Jokis Halsband musste ich jedoch feststellen, dass es sich immer weiter verzieht. Über zwei Jahre doch an die 3cm bis 5 cm. Ein Halsband, das aufgrund meines Zeitaufwandes nicht ganz billig ist, jedoch sehr lange hält, aber immer länger wird. Das ist nicht akzeptabel. Flechtet der Kunde im Kurs nicht so satt wie ich (was die wenigsten können) wird es noch schneller noch länger. Also muss was her, was das Verziehen verhindert. Nun flechte ich eine Seele aus Paracord ein. Diese sieht man nicht, lässt dem Leder weiterhin seine Flexibilität, verhindert jedoch ein Verziehen. Bei den Leinen ist das Verzeihen aufgrund der Länge viel Weniger, daher flechte ich da keinen Paracord ein für Hunde bis zu 30 Kilo. Über 30 Kilo geh ich auf Nummer sicher und flechte eine Seele aus Paracord mitein.